Renaud Ceccotti-Ricci - 28-03-2012
Während man in Europa noch etwas Glück braucht, um einen Food Truck zu sichten, ist dieser Trend in New York schon seit mehr als zwei Jahren unübersehbar. Die mobilen Köche liefern sich einen harten Wettbewerb, sehr zur Freude von New Yorkern und Touristen, die so in den Genuss eines breiten kulinarischen Angebots kommen.
„Eineinhalb Jahre haben wir darauf gewartet, dass die Stadt New York uns eine Genehmigung erteilt, aber heute sind wir die glücklichsten Menschen der Welt.“ Es ist erst ein paar Monate her, dass Danny und Albert ihren Food Truck eröffnet haben, aber schon jetzt ist ihre kubanische Küche auf Rädern ein voller Erfolg. Die Bongo Brothers, wie man sie nennt, freuen sich Tag für Tag über die wachsende Schlange der Kunden, die ihre berühmten kubanischen Sandwichs und ihre frittierenKochbananen kosten wollen. „Mein Bruder ist seit rund 10 Jahren Koch und ich war als Kellner in verschiedenen Restaurants tätig“, erklärt Danny. „Wir haben schon immer davon geträumt, uns selbstständig zu machen, aber die Wirtschaftslage war nicht gerade günstig. Dann kam auf einmal der Boom der Food Trucks, und wir sind mit eingestiegen.“
Qualitativ hochwertige Küche zu erschwinglichen Preisen, ohne ans andere Ende der Stadt rennen zu müssen: Dies ist, in wenigen Worten, das Prinzip, das dem Phänomen Food Trucks bzw. Gourmet Food Trucks zugrunde liegt, das über den Big Apple nach der Krise von 2008 hereingebrochen ist. Anstieg der Mietpreise und Skepsis der Investoren haben vielen Restaurantprojekten ein vorzeitiges Ende gesetzt in einer Stadt, in der Pizzastände, Sandwichbuden und Imbissläden ohnehin schon sehr zahlreich sind.
Die vielen talentierten Köche, die konjunkturbedingt so um die Möglichkeit eines eigenen Restaurants gebracht wurden, kamen auf der Suche nach einer Alternative auf folgenden genialen Einfall: Warum nicht den fettigen Pizza-Van oder den Kebab-Anhänger in eine echte mobile Küche verwandeln und Gourmetkost zum günstigen Preis verkaufen? Um in diesem harten Wettbewerb zu bestehen (die Stadt New York organisiert inzwischen eine Lotterie zur Verteilung der Genehmigungen, so zahlreich sind die Anträge), muss man natürlich etwas Feineres anbieten als die umliegenden Fast-Food-Restaurants.
Cupcakes mit Salzbutter, Spekulatiuswaffeln, Wasabi-Eis, Kobe-Beef-Burger usw. Hunderte von Spezialitäten aus allen Teilen der Welt warten darauf, probiert zu werden „Die Food Trucks haben den kulinarischen Erfahrungshorizont der Amerikaner noch ein wenig erweitert. Geschmackserlebnisse, die bisher als exotisch galten, sind heute fast schon etwas Alltägliches“, erklärt Gastrokritikerin Kazia Jankowski, die beobachtet, wie sich der Geschmack ihrer Landsleute mit den Jahren verändert. Die günstigen Preise der Gerichte und die Vielfalt der angebotenen Speisen ermöglichen einem breiten Publikum, sich mit koreanischen, brasilianischen, afrikanischen und vielen anderen Spezialitäten vertraut zu machen.
„Die Konkurrenz ist eine gute Sache, denn sie zwingt uns, unseren Kunden nur die allerbesten Produkte anzubieten. Aus diesem Grund ist New York heute auch, was das Mittagessen betrifft, die innovativste und abwechslungsreichste Stadt“, erklärt Ali, Gründer des Food Trucks Frites ‘N’ Meats, der seine Stammkunden mit Burgern von Wagyu- oder Angus-Rindern verwöhnt.
Für Frank von der Cupcake Crew ist der Food Truck kein Weg zum Reichtum, „aber man verdient doch korrekt seinen Lebensunterhalt, und zwar ohne den Wahnsinnsrhythmus, dem die Kollegen in herkömmlichen Restaurants ausgesetzt sind“.
Angesichts des Erfolgs ihres Eiswagens haben die Besitzer vom Big Gay Ice Cream Truck ihrerseits beschlossen, ein Eiscafé im East Village zu eröffnen. „Das Problem des Trucks ist, dass bei Regen oder Schnee hier in New York so gut wie niemand bei uns Schlange steht. Aber sowie das Wetter wieder schöner wird, holen wir den Truck aus der Garage.“ Kein Zweifel: Den Food Trucks werden noch sonnige Zeiten beschieden sein.
Praktische Hinweise
Hier ein paar Food Trucks in New York, die sich wirklich lohnen (und ihre Twitter-Adressen):