Portugal und Madeira
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Architektur und Kunst
Architektur und Kunst
Eine Reihe von prähistorischen Fundstätten (Felsmalereien im Côa-Tal, Megalithe bei Évora), frühgeschichtliche Funde aus der Eisenzeit bei Briteiros oder auch die Ruinen in Conímbriga, Troía und Évora aus der Römerzeit sind für Freunde der Archäologie von Interesse. Kleine Kirchen aus vorromanischer Zeit erinnern an die verschiedenen Zivilisationen aus Nord und Ost, die die Iberische Halbinsel im Lauf der Zeit beeinflußt haben, beispielsweise westgotische Stilelemente (São Pedro de Balsemão bei Lamego, Santo Amaro in Beja), der mozarabische Stil (São Pedro de Lourosa in Oliveira do Hospital) oder die byzantinische Kunst (São Frutoso bei Braga). Doch erst im 11. Jh., als Portugal ein souveränes Königreich wurde, bildete sich der typische Charakter der portugiesischen Baukunst heraus.
- Mittelalter (11. bis 15. Jh.)
- Manuelische Epoche (1495-1521)
- Malerei (1450-1550)
- Renaissance
- Klassizismus
- Barock (Ende 17. bis 18. Jh.)
- Ende 18. bis 19. Jahrhundert
- 20. Jahrhundert
Mittelalter (11. bis 15. Jh.)
Romanik
Die Romanik erreichte Portugal erst im 11. Jh.; sie wurde von burgundischen Rittern und Mönchen aus Cluny und Moissac (Frankreich) eingeführt, weshalb sie auch französisch geprägt ist. Die Romanik im Norden Portugals steht unter dem Einfluß von Santiago de Compostela, mit einem eher galicischen Stil, vor allem auch wegen der Verwendung von Granit. Die Bauten nehmen sich massiv aus, der Stein ist grob behauen; beim Anblick der Kapitelle vermeint man den Widerstand des harten Gesteins gegen Hammer und Meißel zu spüren.
Die oft von französischen Baumeistern – mit Vorliebe auf einer Anhöhe inmitten der Stadt – errichteten Sakralbauten entstanden zur gleichen Zeit wie die Burgen, d.h. zur Zeit der Kämpfe gegen die Mauren. Daher wirken die Kathedralen häufig wie Festungen (Coimbra, Lissabon, Évora, Porto und Braga). Die später erbauten Dorfkirchen haben oft kunstvoll skulptierte Portale; die Innenräume mit flachen Spitzbögen und Kreuzgratgewölben wurden später im Emanuel- oder Barockstil verziert.
Gotik
Während die romanische Baukunst vor allem im granitreichen Norden erblühte, entwickelte sich die Gotik im ausgehenden 13. Jh. namentlich in den Kalksteingebieten um Coimbra und Lissabon mit dem Bau prächtiger Klosteranlagen. Die dreischiffigen Kirchen mit Apsis und polygonalem Chorschluß weisen noch die Proportionen und die Schlichtheit der Romanik auf. Das Kloster Alcobaça, nach dem Vorbild der Abtei von Clairvaux in Frankreich errichtet, diente seinerseits als Modell für die Kreuzgänge der Zisterzienserbaukunst (14. Jh.) in Coimbra, Lissabon und Évora. Im Kloster Batalha, das in der manuelischen Epoche vollendet wurde, fand die Spätgotik, die in Portugal von kurzer Dauer war, ihren schönsten Ausdruck.
Bildhauerkunst
Die gotische Bildhauerkunst entfaltete sich im 14. Jh., vor allem in der Gestaltung von Grabmälern. Tympana und Portale sind schmucklos, Kapitelle und Gesimse weisen höchstens geometrische oder pflanzliche Motive auf; nur selten sind stilisierte Tiere oder figürliche Skulpturen (Kapitelle im Kloster von Celas in Coimbra) anzutreffen.
Die Grabmalkunst erreichte ihren Höhepunkt in Lissabon, Évora und Coimbra, namentlich in den Werken von Meister Pero, der auf ganz Nordportugal großen Einfluß ausübte: auch in Porto, Lamego, Oliveira do Hospital und São João de Tarouca entstanden trotz der Schwierigkeit, den harten Granit zu bearbeiten, echte Meisterwerke. Die schönsten Grabmäler (Inès de Castro und Pedro I. im Kloster von Alcobaça) sind allerdings in Kalkstein gehauen.
Der Einfluß Coimbras setzte sich mit den Bildhauern João Afonso und Diogo Pires d. Ä. bis ins 15. Jh. fort. Ein zweiter künstlerischer Mittelpunkt entstand in Batalha unter Meister Huguet (Grabmäler Johanns I. und Philippas von Lancaster). Die figürliche Bildhauerkunst, die vor allem in Braga stark unter französischem Einfluß stand, besticht durch die wirklichkeitsnahe Wiedergabe der Köpfe, durch die Feinheit der Gesichtszüge.
Festungsbau
Zum Schutz im Kampf gegen die Mauren und später gegen die Spanier bauten die Portugiesen zahlreiche Festungen, die bis heute Marksteine in der Landschaft sind. An den ältesten Burgen lassen sich die Etappen der Reconquista ablesen, wohingegen die zwischen dem 13. und dem 17. Jh. erbauten Festungen zur Sicherung der wichtigsten Verkehrswege dienten. Die meisten mittelalterlichen Anlagen verfügen über einen doppelten Mauerring rund um den gedrungenen, quadratischen Bergfried (torre de menagem), dessen pyramidenförmige Zinnen noch maurischen Einfluß zeigen.
Manuelische Epoche (1495-1521)
Der erst viel später, im 19. Jh. eingeführte Begriff „Emanuelstil“ bezeichnet den Übergang von der Gotik zur Renaissance. Dieser portugiesisch-spätgotische Stil – zeitgleich mit der Regierungszeit Emanuels I. – ist wegen seiner hochgradigen Originalität in der Kunstgeschichte Portugals von erheblicher Bedeutung. Er ist Ausdruck der Verbundenheit mit dem Meer und der Begeisterung für die jenseits der Ozeane neu entdeckten Länder; darüberhinaus veranschaulicht er den Reichtum und die Machtentfaltung im Mutterland.
Architektur
Grundriß, Pfeilerhöhe und Rippenkonstruktion der Kirchen blieben weiterhin gotisch. Das Neue äußerte sich in gedrehten Säulen und Pfeilern, oder durch Zierleisten in Form von Schiffstauen an den Triumphbögen. Die zunächst einfachen Kreuzrippengewölbe erhielten profilierte Rippen mit rundem oder quadratischem Querschnitt, die das Muster eines vierzackigen Sterns bildeten. Dekoratives Tauwerk und Verknotungen waren weitere Zierelemente. Später wurden die auf Segmentbögen ruhenden Gewölbe flacher und die Seitenschiffe erhöht, wodurch regelrechte Hallenkirchen entstanden.
Bildhauerkunst
Am deutlichsten kommt der Emanuelstil im Dekor zum Ausdruck. Fenster, Portale, Fensterrosen und Balustraden, rein alles wurde überzogen mit Gebilden wie Lorbeerzweigen, Mohnkapseln, Rosen, Maiskolben, Eicheln, Eichenblättern, Blütendolden, Artischocken, Disteln, Perlen, Schuppenornamenten, Tauwerk, Anker, Erdgloben und Armillarsphären. Das alles beherrschende Merkmal in dem Zierwerk war stets das Kreuz Christi.
Künstler und Baumeister
Der gebürtige Franzose Boytac schuf mit der Jesuskirche in Setúbal und der Kathedrale von Guarda die ersten Bauwerke im Emanuelstil. Maßgeblich beteiligt war er ferner am Bau des Hieronymitenklosters in Belém, der Kirche Santa Cruz in Coimbra und des Klosters in Batalha.
Sein Stil wurde mit der Zeit zunehmend komplexer, was sich vor allem an den von Wirteln unterteilten Schlangensäulen bemerkbar machte, die er mit Lorbeerblättern und Schuppenornamentik verzierte. Die rechteckigen Portale, ein weiteres Hauptelement des Emanuelstils, sind von Schlangensäulen eingerahmt und von spiralförmigen Fialen bekrönt. In der Mitte dieser Komposition (oder darüber) sind jeweils die Embleme Emanuels angebracht: Wappenschild, Kreuz des Christusordens und Armillarsphäre.
Mateus Fernandes, dessen Kunst deutlich von der Eleganz der Spätgotik beeinflußt war, brachte den Emanuelstil nach Batalha. Immer wiederkehrend sind vor allem florale, geometrische und kalligraphische Schmuckformen. Beeindruckend ist das Portal der unvollendeten Kapellen in Batalha.
Diogo de Arruda, der originellste Vertreter des Emanuelstils, war von nautischen Themen förmlich besessen. Von ihm stammt die überaus reiche Dekoration des Fensters am Christuskloster (Convento de Cristo) in Tomar.
Francisco de Arruda errichtete den Belém-Turm in Lissabon. Im Gegensatz zu seinem Bruder bevorzugte er die Hochgotik, deren Strenge er mit maurischen Motiven auflockerte.
Die Brüder Arruda galten als die „Baumeister des Alentejo“, wo sie durch die Verbindung des Emanuelstils mit maurischen Elementen einen eigenen Stil schufen. Die meisten Herrenhäuser und Schlösser dieser Region sowie die Königspaläste in Sintra und Lissabon sind in diesem Stil erbaut, der durch den maurischen Bogen mit schmalen Zierleisten über Türen und Fenstern charakterisiert ist.
Gleichzeitig mit der Entfaltung des Emanuelstils stand die portugiesische Bildhauerkunst des 15.Jh.s unter dem Einfluß der flämischen Künstler Olivier von Gent und Johann von Ypern, die den prachtvollen hölzernen Altaraufsatz in der alten Kathedrale von Coimbra schufen. Später nahm Diogo Pires d. J. die Themen des manuelischen Stils wieder auf; ein Meisterwerk dieses Künstlers ist das Taufbecken im Kloster von Leça do Balio (1515).
Zu Beginn des 16.Jh.s waren mehrere Meister aus Galicien und der Provinz Biskaya in Nordportugal am Bau der Kirchen in Caminha, Braga, Vila do Conde und Viana do Castelo (spätgotischer und spanischer Platero-Stil) maßgeblich beteiligt. Ab 1517 arbeiteten zwei Künstler aus Biskaya, João und Diogo do Castilho, nacheinander in Lissabon, Tomar und Coimbra. Die Verschmelzung der beiden Stilrichtungen (manuelischer und Platero-Stil) zeigt sich am deutlichsten am Hieronymitenkloster (Belém).
Kunsthandwerk
Der Emanuelstil mit seiner Überfülle an dekorativen und oft vom Orient beeinflußten Motiven prägte auch das Kunsthandwerk. Die im 15. und 16. Jh. besonders prunkvolle sakrale Goldschmiedekunst war von orientalischer Exotik, die Keramik von chinesischem Porzellan beeinflußt. Auch die Möbel mit chinesischen Lackarbeiten oder Perlmutt- und Elfenbeinintarsien spiegelten die kunstgewerblichen Verfahren aus dem Fernen Osten wieder.
Malerei (1450-1550)
Später als Baumeister und Bildhauer befreiten sich schließlich auch die portugiesischen Maler von ausländischen Einflüssen und brachten den Aufschwung Portugals zur Weltmacht auf ihre Weise zum Ausdruck.
Meister des späten Mittelalters (primitivos) (1450-1505)
Die ersten namhaften Maler standen unter dem Einfluß der flämischen Kunst, die aufgrund der engen Handelsbeziehungen mit den Niederlanden nach Portugal gelangte. Nur Nuno Gonçalves (Polyptychon des hl. Vinzenz, Nationalmuseum der Alten Kunst in Lissabon) besaß seinen eigenen Stil. Sein Altarbild erinnert in der Komposition an einen Wandteppich. Leider sind von ihm im übrigen nur Kartons und Tapisserien erhalten geblieben, auf denen die Einnahme von Asilah und Tanger dargestellt ist (heute im Kirchenschatz von Pastrana bei Guadalajara in Spanien). Zwei Kopien schmücken den Herzogspalast in Guimarães.
Aus der Glanzzeit der anonymen Meister (darunter der „Meister von Sardoal“) sind in den Museen viele Werke unter der Bezeichnung „primitivos portugueses“ zu sehen.
Unter den flämischen Malern, die sich in Portugal niederließen, stechen Francisco Henriques und Frei Carlos durch breit angelegte Komposition und reichhaltige Farbpalette hervor.
Manuelische Maler (1505-1550)
Sie begründeten die erste Schule einer eigenständig portugiesischen Kunstmalerei, die durch feine Linienführung, leuchtende Farben, realistische Hintergrundkompositionen, lebensgroße Figuren und naturalistisch ausdrucksvolle, leicht idealisierte Gesichter gekennzeichnet ist.
Die bedeutendsten Künstler arbeiteten in Viseu und Lissabon. Die Schule von Viseu leitete Vasco Fernandes, genannt „Grão Vasco“ (Vasco der Große). Die ersten Werke dieses Künstlers (u.a. das Retabel von Lamego) standen noch unter flämischem Einfluß, doch später fand er seinen eigenen Stil, der sich durch Realismus, eine reiche Farbpalette und dramatische Bildkomposition auszeichnet (die Tafelbilder aus der Kathedrale von Viseu sind heute im Museum Grão Vasco ausgestellt). Einen raffinierteren Stil dagegen hatte Gaspar Vaz, ein Maler der Lissabonner Schule, der seine besten Werke in der Region von Viseu (Tafelbilder in der Kirche São João, Tarouca) schuf. Beide Meister waren vermutlich am Altarwerk (Polyptychon) der Kathedrale von Viseu beteiligt.
In der Schule von Lissabon, mit Jorge Afonso, dem Hofmaler König Emanuels, als Leitfigur, waren eine Reihe bedeutender Maler vertreten:
– Christóvão de Figueiredo, der durch die Verwendung von Farbtupfern an Stelle von Strichen bereits an die Maltechnik der Impressionisten erinnert; seine Porträts sind in Schwarz- und Grautönen gehalten. Mehrere Künstler imitierten seinen Stil, darunter der Meister von Santa Auta (Retabel in der alten Klosterkirche Madre de Deus, Lissabon).
– Garcia Fernandes, ein Maler mit zuweilen archaisierender Darstellungsweise; in seinen Porträts drückt sich eine gewisse Manieriertheit aus.
– Gregorio Lopes, härter in Linienführung und Formgebung, malte vor allem das Hofleben. Den Hintergrund seiner Gemälde bilden stets detailgetreue Landschaften oder Szenen aus dem portugiesischen Alltag (Retabel der Kirche São João Baptista, Tomar). Er beeinflußte den Meister von Abrantes, dessen Werk schon frühbarocke Stilelemente enthält.
Renaissance
Die Renaissance in Portugal übernahm die wesentlichen Merkmale der italienischen und französischen Renaissance. Ihren Höhepunkt erreichte sie in der Bildhauerei, wo der französische Einfluß durch die in Coimbra wirkenden Künstler besonders stark war.
Nicolas Chanterene, der an den Prinzipien der italienischen Renaissance festhielt, wurde mit der Ausschmückung des Nordportals des Hieronymitenklosters in Belém berühmt. Er avancierte dann zum führenden Bildhauer der Schule von Coimbra, wo er mit der Kanzel in der Klosterkirche Santa Cruz sein größtes Meisterwerk schuf. Jean de Rouen gestaltete Altaraufsätze und Flachreliefs. Philippe Houdart trat 1530 die Nachfolge Chanterenes als der führende Meister der Bildhauerkunst in Coimbra an. Seine Skulpturen zeichnen sich durch realistische Formensprache aus.
In der Architektur begann die Blütezeit der Renaissance, unter der Leitung landeseigener Baumeister, erst etwas später. Miguel de Arruda führte ab 1533 in Batalha klassische Elemente ein. Diogo de Torralva vollendete das Christuskloster in Tomar. Alfonso Álvares vollzog mit monumentalen, nüchternen Bauwerken den Übergang zur klassischen Kunst.
Klassizismus
In der klassizistischen Periode war der Jesuitenstil stark verbreitet. Hauptvertreter waren Filippo Terzi, ein italienischer Baumeister, der 1576 nach Portugal kam, und Baltazar Álvares (1550-1624). Bezeichnend für den Jesuitenstil ist der rechteckige Grundriß der Kirchen ohne Querschiff und Chorhaupt.
In der von Spanien beeinflußten Malerei sind nur zwei Meister hervorzuheben: Domingos Vieira (1600-1678) mit seinen lebenssprühenden Porträts und Josefa d’Alaya, alias Josefa de Óbidos. Klassizistischer Geschmack äußerte sich auch in der Goldschmiedekunst. Das 17. Jh. war die Blütezeit der indisch-portugiesischen Möbel, insbesondere Sekretäre mit Edelholz- und Elfenbeinintarsien.
Barock (Ende 17. bis 18. Jh.)
Der Barockstil verdankt seinen Namen dem portugiesischen Wort „barroco“, der Bezeichnung für eine unregelmäßige Perle. In der Kunst entspricht der Barock dem Geist der Gegenreformation, die im 16. und 17. Jh. die verführerische Wirkung einer raffinierten, volkstümlichen Kunst im Dienste des katholischen Glaubens der protestantischen Strenge gegenüberstellte.
Architektur
Im Gegensatz zur klassischen Symmetrie äußert sich im Barock ein Gespür für Bewegung, Raum und Tiefe, eine Vorliebe für gekrümmte Linien, ein Sinn für Größe und Erhabenheit.
Nachdem sich die Baukunst im 17. Jh. von dem durch Philipp II. aufgezwungenen spanischen Einfluß befreit hatte, setzte sich unter João Nunes Tinoco und João Turiano eine schlichte, strenge Formensprache durch. Im ausgehenden 17. Jh. wurden die Fassaden – vor allem in Braga – durch Festons, Putten und das Spielen mit konvexen und konkaven Linien aufgelockert. João Antunes trat für den achteckigen Grundriß in der sakralen Baukunst (Santa Engrácia in Lissabon) ein. Im 18. Jh. rief König Johann V. ausländische Künstler ins Land. Der Deutsche Johann Friedrich Ludwig und der Ungar Mardel, beide in der italienischen Schule ausgebildet, brachten eine nüchterne, monumentale Kunst ins Land, deren erlesenstes Meisterwerk das Kloster von Mafra ist. Der echt portugiesische Barockstil aber ist im Norden Portugals mit sakralen und profanen Bauten vertreten. Auf den Fassaden bilden Granitpfeiler und -gesimse mit den kalkverputzten weißen Mauern einen reizvollen Kontrast. In Porto verzierte Nicolau Nasoni, ein gebürtiger Italiener, die Fassaden mit floralen Motiven, Palmen und Draperien. In Braga entwickelte sich die Architektur bereits in Richtung Rokoko (Casa do Raio, Santa Maria Madalena in Falperra).
Dekoration
Azulejos-Wandfliesen und vergoldetes Schnitzwerk, „talha dourada“, als Ausschmückung des Innenraums der Kirchen, erfreuten sich damals besonderer Beliebtheit. Ab 1650 ging man dazu über, den Hauptaltaraufsatz ganz aus vergoldeter Holzschnitzerei zu gestalten. Im 17. Jh. weitete sich das Retabel zu einem Portal mit gewundenen Säulen zu beiden Seiten des Altars aus, den ein mehrstufiger Thron überragt. Es häufen sich die als Hochrelief ausgeführten Motive (Weinranken, Trauben, Vögel, Putten).
Im 18. Jh. nimmt der Altaraufsatz oft überdimensionale Formen an und greift auf Decke und Chorwände über. Seine Anordnung ändert sich: mit Spitzbögen bekrönte Gesimse liegen auf von Atlanten gestützten Säulen, und über allem hängt ein Baldachin.
Bildhauerei
Die Statuen, zum Großteil Holzschnitzereien, sind in die zahllosen Altaraufsätze eingegliedert. Die Bildhauerei des 18. Jh.s war größtenteils von ausländischen Schulen beeinflußt. In Mafra bildete der Italiener Giusti viele portugiesische Bildhauer aus, darunter Machado de Castro, während Laprade in Braga, Coimbra und Porto die französische Schule vertrat. Der Portugiese Jacinto Vieira jedoch verlieh seinen Bildnissen einen ganz persönlichen, lebendigen Stil.
Es entwickelt sich eine Vorliebe für barocke Krippen (presépios), die ursprünglich aus Süditalien kamen. In Portugal nahmen sie, vom Brauchtum und Pilgerfahrten beeinflußt, einen eher volkstümlichen, dennoch hochgradig künstlerischen Ausdruck an: Die kleinen Terrakottafiguren stammen oft aus der Hand großer Meister wie Machado de Castro, Manuel Texeira und António Ferreira.
Das künstlerische Können der Barockbildhauer zeigt sich auch an den zahllosen Brunnen, die überall in Portugal, besonders aber in der Region Minho anzutreffen sind. Ein besonders schönes Beispiel ist die Monumentaltreppe vor der Wallfahrtskirche Bom Jesus bei Braga, die aus mehreren übereinander angeordneten Rokokobrunnen besteht.
Malerei
Die wichtigsten Vertreter sind Vieira Lusitano (1699-1783) und Domingos António de Sequeira (1768-1837), ein bedeutender Porträtist und Zeichner.
Ende 18. bis 19. Jahrhundert
Architektur
Die zweite Hälfte des 18. Jh.s erlebte die Rückkehr klassizistischer Stilelemente in den Werken von Baumeistern wie Mateus Vicente (1747-1786), der am Residenzschloß Queluz mitwirkte, und Carlos da Cruz Amarante sowie von Lissabonner Architekten, unter ihnen Eugénio dos Santos, der den sog. „Pombalino“-Stil schuf.
Mit dem romantischen Zeitgeist gegen Ende des 19. Jh.s kamen historische Wiederbelebungen mit „Neu“-Gotik und sonstigen aktualisierten früheren Stilrichtungen in Mode. Der Neu-Emanuelstil, der die glorreiche Zeit der Großen Entdeckungen heraufbeschwörte, gipfelte im Schloß Pena bei Sintra, im Palasthotel von Buçaco und im Rossio-Bahnhof in Lissabon. Gleichzeitig wurden die Fassaden wieder mit Azulejos übersät.
Bildhauerkunst
Soares dos Reis (1847-1889) versuchte, der für die portugiesische Volksseele typischen „Saudade“ Gestalt zu verleihen: der „Sehnsucht nach alten Zeiten“, eigentlich Nostalgie, was laut Duden „von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit“ bedeutet. Sein Schüler Teixeira Lopes (1866-1918) ist der Meister einer eleganten Technik, die besonders in seinen Kinderbüsten zur Geltung kommt.
Malerei
Die portugiesischen Maler, unter ihnen Silva Porto (1850-1893) und Marques de Oliveira (1853-1927), orientierten sich an der französischen Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon. Malhoa (1855-1933), der gerne Volksfeste zum Thema nahm, und der jung verstorbene Henrique Pousão (1859-1884) standen dem Impressionismus nahe. Sousa Pinto (1856-1939) trat mit Pastellarbeiten hervor, während Columbano Bordalo Pinheiro (1857-1929), Bruder des bekannten Keramikers, mit seinen Porträts und Stilleben berühmt wurde.
20. Jahrhundert
Architektur
Dem Jugendstil (Arte Nova) sind auch in Lissabon, Coimbra und Leiria bemerkenswerte, doch nicht eben zahlreiche Bauwerke zu verdanken. Eines der schönsten ist die Casa Serralves in Porto; ferner die Casa dos Patudos in Alpiarça, die der Architekt Raul Lino in den 30er Jahren errichtete.
Typisch portugiesische Bauten entstanden erst in den 50er Jahren, zum Beispiel Wohnhäuser oder Gebäude wie das Gulbenkian-Museum in Lissabon. Die Schule von Porto, die den Modern Style vertrat, machte durch Architekten wie Fernando Távora (geb.1923) und Álvaro Siza (geb. 1933) auf sich aufmerksam. Siza übernahm die Sanierung des Chiado-Viertels in Lissabon, das 1988 bei einem Brand teilweise zerstört worden war. Das wichtigste Ereignis der 80er Jahre war der Bau der Aveiros-Türme in Lissabon nach einem Entwurf von Tomás Taveira, einem Vertreter der Postmoderne.
Bildhauerkunst
Francisco Franco (1885-1955) war der Hauptvertreter der offiziellen Bildhauerkunst unter Salazar, der eine Vorliebe für Denkmäler hatte. In jüngster Zeit machte João Cutileiro mit höchst eigenwilligen Skulpturen auf sich aufmerksam: König Sebastian in Lagos, Camões in Cascais, das Denkmal der Nelkenrevolution im Eduardo VII. (Park in Lissabon). Die zeitgenössischen Künstler José Pedro Croft (Steinskulpturen), Rui Sanches (Holzbildhauer) und Julião Sarmento verstehen sich eher als Concept-Art-Künstler.
Malerei
Zu Beginn des 20. Jh.s war die portugiesische Malerei überwiegend im Naturalismus festgefahren; nur wenige Künstler folgten den neuen künstlerischen Tendenzen. Amadeo de Souza Cardoso (1887-1918), der nach Paris zog und dort mit Modigliani eng befreundet war, lernte zunächst bei Cézannes, entdeckte dann den Kubismus und drang schließlich zu einer dem Expressionismus nahestehenden Malweise mit kraftvoller Farbpalette vor. Sein Freund Santa Rita (1899-1918), der in jugendlichem Alter starb, leistete einen bedeutenden Beitrag zum portugiesischen Futurismus. José de Almada Negreiros (1893-1970) machte sich, obwohl stark vom Kubismus geprägt, dennoch als klassischer Zeichner einen Namen. 1945 und 1948 malte er die großen Fresken für den Lissabonner Hafenbahnhof.
Marie-Hélène Vieira da Silva (1908-1992) übersiedelte im Alter von zwanzig Jahren nach Paris, wo sie als typische Vertreterin der Pariser Schule bekannt wurde. Dennoch entdeckt man in ihren imaginären Raumkompositionen oft die Zusammenstellung und den Farbton der Azulejos, wie übrigens auch in den Arbeiten von Manuel Cargaleiro, der allerdings mehr mit keramischen Arbeiten bekannt wurde.
Zu den bekanntesten zeitgenössischen Malern gehören Paulo Rego (geb. 1935), der seine Inspirationen in der Op-Art findet, Júlio Pomar, Lourdes Castro, José de Guimrães und in jüngster Zeit Pedro Cabrita Reis, Pedro Calapez (Abstraktion und volumetrische Formen), Pedro Portugal, Pedro Casqueiro (Abstraktion), Graça Morais und Pedro Proença (Allegorien).

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