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Ikkou Teranishi, Meister des japanischen Kimonos

Ikkou Teranishi, Meister des japanischen Kimonos

Philippe Bourget - 15-09-2012

In Kanazawa, einer Stadt im Osten Japans, die für ihre handwerklichen Traditionen berühmt ist, verkörpert Ikkou Teranishi die Kunst des Kaga Yuzen, eine Technik zur Herstellung von Kimonos, die spezifisch für diese Region ist. Besuch in einer Werkstatt, in der die Seidenmalerei ein seltenes Maß an Anmut und Finesse erreicht.

Ikkou Teranishi ist ein freundlicher Mann, der seine Besucher trotz eines sehr ausgefüllten, arbeitsreichen Tages mit ausgesuchter Höflichkeit empfängt. Er sagt es nicht, aber sicher erscheint es ihm absurd, einem Journalisten auf der Durchreise im Schnellverfahren die Feinheiten seiner Kunst zu erklären, wo er doch selbst Wochen oder gar Monate braucht, um einen einzigen Kimono herzustellen. In Japan hat man sich die Langsamkeit noch nicht ganz abgewöhnt und hält an jenem ruhigen Rhythmus fest, der es ermöglicht, die traditionelle japanische Handwerkskunst perfekt nach altüberlieferten Gesten fortzuführen. Den Besucher mag diese Gemessenheit überraschen, denn schließlich ist er eher an das rasante Tempo gewöhnt, das dem Land von der modernen Wirtschaft auferlegt wird, der es sich seit dem Zweiten Weltkrieg mit Leib und Seele verschrieben hat.
 
Erfüllt von einer Atmosphäre der Weisheit und Stille gleicht die Werkstatt von Ikkou Teranishi einem lebendigen Museum. In einem hellen Raum sind Kimonos ausgestellt, deren Schönheit dem Betrachter die Sprache verschlägt. Zartheit der Linien, Anmut der Motive, Harmonie der Farben: Jedes Exemplar ist einzigartig, außergewöhnlich und perfekt ausgeführt.
 
Die Kunst des Kaga-Yuzen-Kimonos wurde Anfang des 18. Jh. in dieser Region eingeführt. Sie zeichnet sich durch eine ganz spezielle Technik aus. Der Handwerker – vielmehr der Künstler! – geht schrittweise vor: zunächst die Zeichnung, dann das Auftragen der Farben, das Färben, Dämpfen und Waschen der Seide. Früher wurde die Seide oft im Wasser der beiden durch Kanazawa fließenden Flüsse Sai und Asano gewaschen; heute jedoch ist das selten. Kaga Yuzen zeichnet sich außerdem durch einen unverkennbaren grafischen Stil aus, der sich zwischen geometrischem Zierwerk und realistischer Darstellung ansiedelt. In der Art eines romantischen Gemäldes werden traditionelle japanische Motive wiedergegeben: Blumen, Bäume, Vögel, Berglandschaften usw. Und schließlich – und vor allem – soll eine Harmonie zwischen dem Kimono und der Person, die ihn trägt, erzielt werden, in der das Gefühl der Bescheidenheit und Sanftheit zum Ausdruck kommt, das den Umgang der Japaner untereinander prägt.
 
10.000 € der Kimono
 
Aus all diesen Gründen besitzt ein Kimono aus Kanazawa einen unschätzbaren Wert. Er ist den nach der Nishiki-Technik gewebten Brokatstoffen aus Kyoto ebenbürtig und wird besonders gern bei Hochzeiten und wichtigen Zeremonien getragen.
 
Ikkou Teranishi, angesehener und mehrfach ausgezeichneter Nachfahr einer Handwerker-Dynastie, fertigt nicht mehr als vier bis fünf Kimonos pro Jahr an. Außerdem stellt er Kakemonos her (hochformatige Wandbilder aus Seide) sowie Noren (Vorhänge, die in Türrahmen gehängt werden). Der Preis eines traditionellen Kimonos entspricht der Qualität der Ausführung und setzt bei etwa 10.000 € an. Manche jedoch erfordern bis zu sechs Monate geduldiger Arbeit und sind noch sehr viel teurer. Etwa zweihundert Werkstätten führen in der Region von Kanazawa die Tradition des Kaga Yuzen fort. Das macht kaum mehr als 800 bis 1.000 jährlich produzierte Kimonos, weshalb die Kundinnen sie lange im Voraus bestellen müssen. Was die Touristen betrifft, haben diese zumindest das Recht, einen Moment lang zu träumen. Ikkou Teranishi gestattet es seinen Besucherinnen, einen Kimono anzuprobieren und sogar damit in die Stadt zu gehen!
 

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