Georges Rouzeau - 13-03-2012
Seit seiner Eröffnung 1757 hat das Restaurant Del Cambio mit prachtvollem Stuck- und Blattgolddekor die bewegten Epochen italienischer Geschichte unbeschadet überstanden. Chefkoch Riccardo Ferrero, der heute die Küche des Hauses leitet, sieht sich als Hüter der Tradition, was Cavour und die anderen „Väter des Vaterlands“, die einst hier Stammgäste waren, sicher zu schätzen wüssten.
Del Cambio, Schauplatz des Risorgimento
Es gibt viele Bücher, die sich mit den kulinarischen Gepflogenheiten der Mächtigen und der Bedeutung des gemeinsamen Tafelns beschäftigen. Mittel der Auszeichnung, Ehrenbezeugung, Kriegstaktik, diplomatischer Köder … Wenn Machthaber zu Tisch bitten, kann dies in der Tat verschiedenste Funktionen haben, von den antiken Trinkgelagen bis hin zum eleganten Souper im Elyseepalast, oder vom königlichen Mahl Ludwigs XIV. bis zum republikanischen Bankett des 19. Jh.
Das 1757 eröffnete Del Cambio wird bereits von Casanova ins seinen Memoiren erwähnt. Das prachtvoll von Stuck und Gold gezierte Restaurant zog damals die Elite von Adel und Aristokratie an. Mitte des 19. Jh. dann wurde es zu einem der Schauplätze der Geschichte Italiens, genauer gesagt der Geschichte der Einheit Italiens. Der Zufall wollte, dass das Del Cambio direkt gegenüber vom Palais Carignan, dem Sitz des ersten italienischen Parlaments, liegt. Alle jungen Abgeordneten und Akteure des Risorgimento machten das ehrenwerte Haus so zu ihrer Kantine. Unter ihnen natürlich auch die berühmten „Väter des Vaterlandes“: Cavour, Mazzini und Garibaldi.
Von Cavour zu Carla Bruni
Der Platz, an dem einst Cavour saß, existiert noch heute, hinten rechts, auf einer Sitzbank – und natürlich kann er auch reserviert werden. Von seinem Tisch aus hatte der Piemonteser ein kleines Fenster im Auge, vor dem ein Pedell ihm ein Zeichen geben konnte, falls die Debatte im Parlament eine unerwünschte Wendung nahm. Politiker und Schauspieler aus der ganzen Welt zählten schon immer zu den Gästen des Hauses, von Gorbatschow über Jean Reno bis hin zu Carla Bruni, deren Familie aus Turin stammt.
Die Küche ist heute das Reich von Riccardo Ferrero, der sein Handwerk in den Sternerestaurants der französischen Riviera erlernt hat. Auf seiner Karte findet man allerdings nach wie vor Vitello tonnato, Agnolotti und Fritto misto, jene traditionellen Gerichte des Piemonts, die den Ruhm des Restaurant Del Cambio begründet haben.
Del Cambio,
Piazza Carignano, 2,
10123 Torino
Weitere Artikel über Turin: