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Geschichte

Lange Zeit waren Elsass und Lothringen Provinzen, die zwischen gegnerischen Einflüssen aufgeteilt waren, und grenzten an Deutschland, die Schweiz, Belgien und Luxemburg an. So waren die beiden Regionen auch immer Plattform für einen regen Austausch von Ideen und Gütern, manchmal aber auch Mittelpunkt schlimmster Konflikte.


Geschichtlicher Überblick

In den letzten Jahrhunderten vor Christus sind die Kelten Träger der La-Tène-Kultur. Innerhalb weniger Jahrzehnte gelangen die keltischen Gebiete unter römische Herrschaft: Julius Cäsar erobert Gallien (1. Jh. v. Chr.).

Von Den Römern zu den Franken

Vor Chr.

58 v. Chr. – Cäsar schlägt am Oberrhein die einfallenden Sweben unter ihrem Führer Ariovist.

52 v. Chr. – Sieg Julius Cäsars über die Gallier unter Vercingetorix bei Alesia (Burgund).

17 v. Chr. – Augustus verkündet den „Weltfrieden – Pax Augusta“, der nahezu 500 Jahre andauern sollte. Anlage von römischen Kastellen an der Ostgrenze und entlang der Handelsstraßen. Aus ihnen entstehen Städte, die die römische Kultur übernehmen.

Nach Chr.

9 – Niederlage des Varus, des römischen Statthalters in Germanien, im Teutoburger Wald. Der Rhein bleibt weiterhin die Grenze des Römischen Reichs.

16 – Gründung des römischen Argentoratum (Straßburg) in der Nachbarschaft einer früheren Keltensiedlung zur Sicherung der Ostgrenze.

3. Jh. – Einführung des Weinbaus durch die Römer. Die Alemannen dringen ins Elsass ein.

357 – Kaiser Julian Apostata schlägt die Alemannen bei Straßburg. Die römische Reichsgrenze ist vorläufig gesichert.

Um 375 – Beginn der Völkerwanderung. Franken, Westgoten, Wandalen und Burgunder überfluten Gallien. Niedergang des Römischen Reichs.

451 – Hunneneinfälle. Niederlage Attilas auf den Katalaunischen Feldern.

496 – Der Franke Chlodwig besiegt die Alemannen und beseitigt die Reste des Weströmischen Reichs. Sein Land reicht von der Atlantikküste bis zu Main und Donau.

6.-8. Jh. – Reich der Merowingerkönige (Austrien im Osten, Neustrien im Westen sowie Burgund und Aquitanien).

7. Jh. – Das Elsass verwalten Herzöge, die Etichonen; sie sind Gefolgsleute der Merowinger.

Um 700 – Wirken der hl. Odilia, Schutzpatronin des Elsass.

7., 8. Jh. – Klostergründungen durch iroschottische Mönche (Luxeuil, Maursmünster, Murbach).

Vom Mittelalter bis zur Renaissance

800 – Kaiserkrönung Karls des Großen in Aachen.

833 – Das Heer Ludwigs des Frommen schlägt sich auf dem Lügenfeld bei Colmar auf die Seite von dessen aufständischen Söhnen.

842 – Straßburger Eide: Bündnisschwur in Althochdeutsch und Altfranzösisch zwischen Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen gegen ihren Bruder Lothar I.

843 – Vertrag von Verdun: Reichsteilung in ein Ostreich (an Ludwig den Deutschen), ein Mittelreich (an Lothar I., der auch die Kaiserwürde erhält) und ein Westreich (an Karl den Kahlen).

870 – Vertrag von Mersen: Ludwig II. der Deutsche erhält das östliche Gebiet Lothringens mit der Kaiserstadt Aachen und dem Elsass.

880 – Vertrag von Ribémont: Ludwig III., König des Ostfrankenreichs, erhält die Westhälfte des nördlichen Lothringen. Bis auf geringe Änderungen bleibt dies während des ganzen Mittelalters die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland.

925 – Das Elsass kommt zum Herzogtum Schwaben.

958 – Bischof Bruno von Köln setzt für Oberlothringen (Eifel, Maas, Vogesen) und Niederlothringen (Nordseeküste bis zur Eifel) Unterherzöge ein.

10. Jh. – Ungarneinfälle. Sieg Kaiser Ottos I. auf dem Lechfeld (955).

1002-1054 – Bruno von Dagsburg, Bischof von Toul und späterer Papst Leo IX.

1075 – Das Elsass geht zusammen mit dem Herzogtum Schwaben an Friedrich von Büren über, der sich von nun an „von Staufen“ nennt.

11.-13. Jh. – Stauferherrschaft. Das Elsass ist Kernland des königlichen Hausbesitzes. Hagenau ist Kaiserpfalz, Friedrich Barbarossa wächst hier auf. Kulturelle Blüte und große Bautätigkeit, Anlage von Burgen.

12. Jh. – Gründung der Champagne-Messen (Châlons, Troyes) auf dem Handelsweg zwischen Italien und Flandern.

12.-13. Jh. – Loslösung der Städte aus der Bevormundung der Fürsten und Bischöfe.

13. Jh. – Nach dem Untergang der Staufer (1238) zerfällt das Elsass in eine Vielzahl geistlicher und weltlicher Besitztümer: Die Landgrafschaft Niederelsass kommt an den Straßburger Bischof, die des Oberelsass an die Habsburger.

1301 – Der Graf von Bar wird nach dem Frieden von Brügge Vasall des französischen Königs.

1328 – Die Champagne fällt durch Heirat der letzten Erbin mit Philipp IV. an die französische Krone.

1354 – Weißenburg, Oberehnheim (Obernai), Rosheim, Schlettstadt (Sélestat), Colmar, Kaysersberg, Turckheim, Münster und Mülhausen schließen sich unter der Führung von Hagenau zum Zehnstädtebund, der Dekapolis, zusammen.

1339-1453 – Hundertjähriger Krieg

1420 – Vertrag von Troyes: Karl VII. verliert Krongebiete um Paris.

1429 – Jeanne d‘Arc führt König Karl VII. zur Krönung nach Reims.

1439, 1444 – Armagnaken-Raubzüge im Elsass. (Die Armagnaken waren Söldnerscharen, mit denen der französische König im Hundertjährigen Krieg gegen Burgund und England gekämpft hatte.)

1444 – König Karl VII. zieht gegen die Reichsbistümer Toul, Metz und Verdun und will lothringische Gebiete an Frankreich bringen.

1445 – Gutenberg erfindet in Straßburg den Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern.

1469-1474 – Verpfändung des Oberelsass an Karl den Kühnen. Widerstand der elsässischen Städte gegen den burgundischen Vogt Peter von Hagenbach.

1475 – Karl der Kühne erobert Lothringen, um Burgund mit seinen übrigen Besitzungen in Luxemburg und Flandern zu verbinden.

1477 – Karl fällt in der Schlacht von Nancy. Befreiung Lothringens und des Elsass von burgundischer Herrschaft.

31. Okt. 1517 – Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg an.

Um 1525 – Beginn der Reformation im Elsass: Die kaiserlichen Gebiete bleiben katholisch, die Reichsstädte werden protestantisch.

1525 – Bauernkrieg (nach dem Symbol des Bauerntums v. a. in Süddeutschland auch Bundschuh genannt). Die Aufständischen werden bei Scherwiller von Herzog Anton von Lothringen vernichtend geschlagen.

1542 – Vertrag von Nürnberg: die Bindungen zwischen Lothringen und dem Reich lockern sich.

Stückweise Eingliederung nach Frankreich

1552 – Moritz von Sachsen tritt dem franz. König Heinrich II. für seine Hilfe gegen Karl V. die Reichsbistümer Metz, Toul und Verdun ab.

16. Jh. – Straßburg ist während des Humanismus kultureller Mittelpunkt des Oberrheingebietes. Jakob Sturm gründet die Akademie, die spätere Straßburger Universität.

1562-1598 – Hugenottenkriege. Gründung der Liga durch die Guise, die von Spanien unterstützt werden.

1598 – Edikt von Nantes: Heinrich IV. sichert den Hugenotten Gewissensfreiheit, beschränkte Kultausübung und „sichere Plätze“ zu.

1618-1648 – Dreißigjähriger Krieg: Im Elsass wüten die Schweden besonders grausam.

1633, 1670 – Herzog Karl IV. schließt Bündnisse mit dem deutschen Kaiser sowie der Heiligen Liga und der Fronde in Frankreich, weshalb Lothringen mehrmals von französischen Truppen besetzt wird. Es bleibt vom Westfälischen Frieden (1648) ausgeschlossen.

1635-1637 – Eine Pestepidemie rafft in Lothringen die Hälfte der Bevölkerung dahin.

1648 – Westfälischer Frieden: Frankreich erhält die Vogtei über die Reichsstädte sowie die Besitzungen der Habsburger im Oberelsass.

Um 1670 – Ludwig XIV. gründet die sogenannten Reunionskammern zur „friedlichen Eroberung der Rheingrenze“. Sie machen französische Ansprüche auf Reichsgebiete im Elsass geltend. Wegen der Türkengefahr ist der Kaiser gezwungen, diese anzuerkennen.

1675 – Turenne schlägt bei Turckheim die Reichsarmee, die daraufhin das Elsass räumt.

1681 – Annektierung Straßburgs, dessen Verfassung vorläufig beibehalten wird, ebenso die Zollgrenze nach Frankreich.

1685 – Aufhebung des Ediktes von Nantes.

1697 – Der Frieden von Rijswijk (Krieg gegen die Spanischen Niederlande) bestätigt Frankreich die Annexionen im Elsass. Lothringen wird verkleinert an Herzog Leopold zurückgegeben, Frankreich behält strategisch wichtige Punkte.

1735 – Herzog Franz Stephan, der Gemahl Maria Theresias, tauscht Lothringen gegen das Großherzogtum Toskana ein.

1738 – Der entthronte polnische König Stanislaus Leszczynski wird Lothringer Herzog auf Lebenszeit. Nach seinem Tod fällt Lothringen an Frankreich (1766).

14. Juli 1789 – Sturm auf die Bastille in Paris: Beginn der Französischen Revolution. Schaffung der Départements Haut-Rhin (Colmar) und Bas-Rhin (Straßburg). Der Revolutionär G. J. Danton (1759-1794) erlangt durch sein Rednertalent großen Einfluss, wird dann aber von den Radikalen enthauptet.

1791 – Flucht und Verhaftung Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes in Varennes.

1792 – Rouget de Lisle komponiert in Straßburg den „Gesang für die Rheinarmee”, der als „Marseillaise” französische Nationalhymne wird.

1798 – Mülhausen, das bis dahin unabhängig war, stimmt für seinen Anschluss an Frankreich.

1804 – Napoleon Bonaparte wird Kaiser der Franzosen.

1815 – Napoleon wird auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt.

1858 – Die Voraussetzungen für die Gründung eines italienischen Nationalstaates werden in Plombières-les-Bains festgelegt.

Zankapfel zwischen zwei Nachbarn

1870–1871 – Deutsch-Französischer Krieg. Frankreich kapituliert und verliert im Frankfurter Frieden Elsass-Lothringen an das Reich.

1871 – Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches.

1881/82 – Jules Ferry führt die allgemeine Schulpflicht ein.

1886-1963 – Robert Schuman, Politiker und zeitweise Präsident des Europäischen Parlaments. Er arbeitete als Mitglied der französischen Regierung (1948-1952) am Zusammenschluss Europas.

1914-18 – Erster Weltkrieg. Ostfrankreich wird zum Schauplatz heftiger Kampfhandlungen.

1919 – Versailler Vertrag: Elsass-Lothringen kommt zurück an Frankreich.

1928 – Bau des Rheinseitenkanals.

1939-1945 – Zweiter Weltkrieg. Elsass-Lothringen wird dem Deutschen Reich eingegliedert. Zahlreiche Elsässer werden zwangsrekrutiert. 1941 wird im Hohwaldgebiet ein Konzentrationslager eingerichtet.

7. Mai 1945 – Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte durch General Jodl in Reims.

Eine Region im Zentrum Europas

1949 – Gründung des Europarats mit Sitz in Straßburg.

1957 – Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der die Montan-Union (1951) voranging.

1964 – Die Kanalisierung der Mosel ist beendet.

Beginnender Niedergang in Bergbau und Schwerindustrie.

1966 – Anlage des Lac d’Orient genannten Speichersees.

1970 – General de Gaulle stirbt am 9. November in Colombey-les-Deux-Églises.

1974 – Anlage des Lac du Der-Chantecoq genannten Speichersees in der Marnegegend.

1976 – Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Fessenheim. Die Autobahn Straßburg–Metz–Paris wird für den Verkehr freigegeben.

1977 – Einweihung neuer Bauten rund um den Palais de l‘Europe in Straßburg.

1989 – Der Naturpark Nordvogesen wird von der UNESCO zum internationalen Biosphärenschutzgebiet erklärt

1993 – Straßburg wird als Sitz des Europaparlaments bestätigt, das sich fortan aus alle fünf Jahre direkt von der Bevölkerung gewählten Abgeordneten zusammensetzt.

1995-1996 – Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Chooz B in Lothringen.

2004 – Endgültiges Aus für den Bergbau in Lothringen (Kohle) und im Elsass (Pottasche).


Elsass zwischen Frankreich und Deutschland

1648 gesteht der Westfälische Friede Frankreich den Besitz von Teilgebieten des Elsass zu, das Ludwig XIV. dann etappenweise bis zur Einnahme von Straßburg 1681 annektiert. Nur Saarwerden und Mulhouse werden erst in der Revolution französisch, die eine entscheidende Rolle bei der Integration der Elsässer in die französische Nation spielte. Der Vertrag von Ryswick (1697), der ein Protektorat im herzöglichen Lothringen installierte, erkennt den Rhein als Grenze an. Ludwig XIV. verfolgt eine Politik, die die Katholiken begünstigt, und setzt das simultaneum (gemeinsame Nutzung von Kirchen durch Katholiken und Protestanten) ein.

Die Ideale der Revolution werden von den Elsässern mehrheitlich begrüßt. Rouget de Lisle komponiert sein Kriegslied für die Rheinarmee, die zukünftige Marseillaise, in Straßburg. Das Elsass wird in die beiden Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin eingeteilt. Nach dem Jahr 1793 nehmen die Elsässer mit der Radikalisierung des Regimes jedoch Abstand von der Revolution.

1794 verbietet Saint-Just den Gebrauch des elsässischen Dialekts, der als kontra-revolutionär verdächtigt wird, und macht Französisch zur einzigen offiziellen Sprache. Diese Maßnahme verstehen die in ihrer Identität verletzten Elsässer nicht. Die napoleonische Zeit verstärkt das Zugehörigkeitsgefühl des Elsass an Frankreich, viele Elsässer gehen zur Armee.

Aus dieser Zeit stammt noch das Konkordat. Bis heute ist es in Elsass und im Département Moselle aktuell. 1801 von Napoleon unterzeichnet (und 1802 durch Zusätze für Protestanten und 1803 für Juden mit den Organischen Artikeln ergänzt), verleiht es den Kirchen einen offiziellen Status und sichert die Bezahlung der Pfarrer durch den Staat. Dieser Status wird 1905 in ganz Frankreich durch das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat aufgehoben. Aber das Elsass und das Département Moselle waren seit 1871 deutsch, und das Problem der Aufrechterhaltung des Status stellt sich 1918 erneut, als die Gebiete wieder an Frankreich gehen. Die Elsässer zeigen sich der Abschaffung dieses von ihnen als wesentlich erachteten regionalen Rechts gegenüber sehr widerwillig.


Deutsch-Französischer Krieg 1870-71

Der von Juli 1870 bis Mai 1871 dauernde Krieg markierte das Ende der französischen Prestigepolitik in Europa und bildete die Grundlage für den Zusammenschluss Nord- und Süddeutschlands.

Nach Uneinigkeiten über die spanische Thronfolge erfolgt die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen. Die ehrgeizigen Pläne Napoleons III. erscheinen dem preußischen Kanzler Bismarck als willkommene Gelegenheit, die Staaten des Norddeutschen Bundes und die süddeutschen Staaten gegen Frankreich zu vereinen. Die anschließende deutsche Offensive bewirkt, dass die französischen Truppen innerhalb von vier Wochen in der Festung Metz eingeschlossen werden. Die restliche Armee unter Marschall Mac-Mahon wird Ende August in Sedan zur Kapitulation gezwungen, Kaiser Napoleon gefangen genommen.

Unter der neuen Regierung der nationalen Verteidigung, die im September 1870 das französische Kaisertum gestürzt und die Dritte Republik ausgerufen hatte, wird der französische Widerstand verzweifelt fortgesetzt. Während der Belagerung von Paris fordert Bismarck in Verhandlungen Lothringen und das Elsass. Léon Gambetta, der vorübergehend die Regierungsgeschäfte führt, entkommt aus Paris im Freiballon. Die Operationen der republikanischen Heere werden mit der Übergabe von Belfort im Februar 1871 beendet. Am 10. Mai 1871 wird der Friede von Frankfurt unterzeichnet: Elsass-Lothringen geht mit Metz an das neu gegründete Deutsche Reich, Frankreich wird eine hohe Kriegsentschädigung aufgezwungen.


Erster Weltkrieg

Die schrecklichen und verlustreichen Schlachten des Ersten Weltkrieges fanden auch im Elsass und in Lothringen statt, die Frontlinie des grausamen Stellungskrieges verlief mitten durch diese beiden Regionen, und der Name Verdun steht auch heute noch für entsetzliche menschliche Leiden und Verluste.

Auf das französisch-russische Verteidigungsbündnis von 1892 reagierte Deutschland mit dem Schlieffenplan (nach dem preußischen Marschall von Schlieffen). Er sah eine langsame Mobilisierung der Truppen gegen Russland vor, dafür aber eine schnelle Kampagne (sechs Wochen) gegen Frankreich, dessen starke Ostflanke durch eine Invasion durch Belgien und einen Angriff von Norden her umgangen werden sollte. Nach einem Sieg über Frankreich sollte auch der russische Gegner binnen weniger Monate zur Kapitulation gezwungen werden.

August-September 1914 – Der deutsche Aufmarsch unter Generalstabschef von Moltke wird im August durchgeführt. Am 20. August ziehen die deutschen Truppen in Brüssel ein. In heftigen Grenzschlachten wird die französische Offensive Ende August gestoppt, die Festungen Longwy und Montmédy werden genommen. Die deutschen Einheiten dringen bis an die Marne vor und bedrohen Paris. Die französische Regierung flüchtet nach Bordeaux. General Joffre lässt seine Armee hinter der Marne Stellung beziehen und gibt am 5. September den Befehl zur Gegenoffensive. Moltke beurteilt die Situation pessimistisch und verliert die Schlacht an der Marne (5.-12. September 1914). Nach weiteren wechselnden und verlustreichen Kämpfen erstarrt die Front, und ein entsetzlicher Stellungskrieg beginnt, dessen Frontlinie von den Bergen des Jura bis zur Nordsee mitten durch Lothringen und das Elsass verläuft.

Stellungskrieg (1915-17) – Nach der Marneschlacht festigen sich im Wesentlichen die Positionen entlang der Grenzen in Lothringen, den Vogesen und im Elsass. Der Erhalt einzelner strategischer Positionen führt zu erbitterten Kämpfen (Les Éparges, Bois d‘Ailly, Le Linge, Le Vieil-Armand). Im Februar 1916 beginnt der neue deutsche Generalstabschef Falkenhayn in Lothringen die Schlacht um Verdun. Ein Teil der Festung wird eingenommen, die Stadt bleibt in französischer Hand, doch die Verluste für beide Armeen sind verheerend (zusammengenommen ca. 700 000). In der nachfolgenden Schlacht an der Somme (24. Juni-1. Juli) findet die monatelange Materialschlacht ein Ende, erneut mit großen Verlusten auf allen Seiten.

Entscheidungskampf (1918) – Nach der deutschen Sommeroffensive in der Picardie 1918 erfolgt die Gegenoffensive der Alliierten unter General Foch. Die Schlacht von Amiens (8.-11. August) geht erneut mit schweren Verlusten einher. Am 26. September kann Foch dank der Verstärkung durch amerikanische Truppen den Sieg der Entente herbeiführen, der den Waffenstillstand vom 11. November 1918 nach sich zieht. Das Elsass fällt zurück an Frankreich.


Zweiter Weltkrieg

Um jede Möglichkeit eines erneuten Angriffs auszuschließen, lässt die französische Regierung ab 1930 eine Befes-tigungslinie errichten, die nach ihrem Verteidigungsminister Maginot benannt wird.

„Drôle de guerre“ (1939-41) – Am 1. September 1939 entfesselt Hitler mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Auf französischer Seite werden die ersten Monate jedoch als „drôle de guerre“ (merkwürdiger Krieg – die deutsche Bezeichnung lautet: Sitzkrieg) erfahren, da man hinter der Verteidigungslinie auf den Feind wartete, der zunächst nicht kam. Im Mai 1940 beginnt schließlich unter Verletzung der Neutralität Belgiens die deutsche Westoffensive. Im Blitzkrieg fallen die Deutschen durch die Ardennen in Frankreich ein und greifen so die Maginotlinie von hinten an. Deutschland annektiert erneut das Elsass und Lothringen, zieht deren Bewohner ein, die sich als „malgré nous“ (wider Willen) bezeichnen. Am 14. Juni wird Paris kampflos von den deutschen Truppen besetzt. In Frankreich tritt Waffenruhe ein, die französische Kollaborations-Regierung verlegt unter Marschall Pétain ihren Sitz nach Vichy. Im Elsass wird das Konzentrationslager Struthof errichtet.

Befreiung 1944 – Im Sommer 1944 wendet sich der Weltkrieg erneut dem westlichen Kriegsschauplatz zu, im Juni landen die Alliierten in der Normandie, im August in Südfrankreich. Bereits am 25. August gelingt die Befreiung von Paris, Verdun fällt gegen Ende des Monats. In Metz hält der deutsche Widerstand jedoch noch bis zum 22. November an. Im Elsass erweisen sich die Kämpfe als besonders hartnäckig mit Offensiven und Gegenoffensiven von beiden Seiten. Am 23. November kann General Leclerc Straßburg befreien, doch ist die Stadt noch bis zum 22. Januar vom deutschen Einmarsch bedroht. Zum 19. Dezember hin wird lediglich Colmar noch erbittert umkämpft. Am 9. Februar 1945 gelingt es den Alliierten endlich unter De Lattre de Tassigny, die Wehrmacht zum Rückzug zu zwingen. Die bedingungslose deutsche Kapitulation wird am 7. Mai 1945 in Reims besiegelt und setzt dem Zweiten Weltkrieg in Europa ein Ende.


Europa

Nach 1945 war den Regierungschefs der westeuropäischen Länder bewusst, dass nur ein vereinigtes Europa imstande sein würde, den Hass und die Wunden der Vergangenheit zu bewältigen. Ein halbes Jahrhundert später hat das Projekt bis hin zur Währungsunion und der Aufnahme weiterer Mitgliedstaaten aus Osteuropa konkrete Formen angenommen, die auch das Schicksal des Elsass und Lothringens betreffen.

Das Elsass als Wiege Europas – Der 1949 von etwa zehn Staaten gegründete Europarat ist die älteste der europäischen Institutionen. Die Wahl Straßburgs als Ratssitz lag auf der Hand: Die Hauptstadt des Elsass war durch ihre Lage als Grenzstadt, durch ihre Geschichte und ihre Kultur geradezu prädestiniert, im Rahmen der deutsch-französischen Aussöhnung eine europäische Rolle zu übernehmen. Dies trifft ebenso für alle anderen entlang des Rheins gelegenen Regionen zu. So war es vielleicht auch kein Zufall, dass zwei der Gründerväter Europas, der französische Außenminister Robert Schuman und der erste deutsche Nachkriegskanzler Konrad Adenauer, aus der Mosel- bzw. Rheingegend stammten.

Die Institutionen in Straßburg – Dem Europarat kommt besonders durch die 1950 entwickelte Europäische Menschenrechtskonvention große Bedeutung zu. Für ihre Umsetzung sind die Europäische Kommission für Menschenrechte wie auch der Europäische Gerichtshof zuständig. Zahlreiche weitere Institutionen haben sich in den Folgejahren ebenfalls in Straßburg angesiedelt, darunter auch der deutsch-französische Fernsehsender Arte. Doch ist Straßburg in erster Linie Sitz des Europäischen Parlaments. Die Abgeordneten werden seit 1979 nach dem Verhältniswahlrecht von den Bürgern der Mitgliedstaaten der Europäischen Union für fünf Jahre direkt gewählt. Das Parlament ist vor allem ein demokratisches Kontrollorgan. Zusammen mit dem Rat hat es auch Rechtsetzungsbefugnisse und kann insbesondere über den EU-Haushalt abstimmen.

Mit dem 1992 unterzeichneten Vertrag von Maastricht wurde die Europäische Union gegründet. Diese hat in erster Linie die wirtschaftliche Integration ihrer zurzeit 25 Mitgliedstaaten zum Ziel, deren sichtbarste Zeichen seit 2002 die Währungsunion und der Euro sind. Die politische Union lässt dagegen zurzeit noch zu wünschen übrig.

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